Blitzschutz-Rechner
Berechnen Sie den Schutzbereich von Fangstangen und Auffangleitungen nach dem Schutz- und Rollkugelverfahren (DIN EN 62305-3), die benötigte Anzahl der Fangstangen für ein Gebäude und den Isolationsabstand gegen Blitzeinschlag.
Was der Rechner berechnet
- Schutzbereich einer Fangstange nach dem Schutz- und Winkelverfahren
- Rollkugelradius je Blitzschutzklasse (I–IV) nach DIN EN 62305-3
- Anzahl und Anordnung der Fangstangen für ein Rechteckgebäude
- Isolationsabstand (Trennungsabstand) s nach DIN EN 62305-3
- Empfehlung zur Blitzschutzklasse nach Risikoanalyse
Wie der Blitzschutz funktioniert
Die äußere Blitzschutzanlage besteht aus Fangeinrichtung, Ableitungen und Erdungsanlage. Die Fangeinrichtung fängt den Blitz und leitet ihn kontrolliert über die Ableitungen in die Erde. Der Schutzbereich einer Fangstange hängt von ihrer Höhe über dem zu schützenden Objekt ab: Je höher die Stange, desto größer der Schutzbereich, aber auch die Fangfläche für direkte Einschläge.
Das Rollkugelverfahren (DIN EN 62305-3, Anhang A) modelliert die Einschlagstelle: Eine Kugel mit dem Radius r der Blitzschutzklasse (20 m für Klasse I, 30 m für II, 45 m für III, 60 m für IV) rollt über das Gebäude. Alle Flächen, die die Kugel berühren können, liegen außerhalb des Schutzbereichs und benötigen Fangeinrichtungen.
Der Isolationsabstand s = ki × kc/km × l verhindert Überschläge von der Blitzschutzanlage auf metallene Anlagen im Gebäude (Formel nach DIN EN 62305-3, k-Werte je nach Klasse).
Formeln zur Berechnung
Schutzbereich einer Fangstange (vereinfachtes Schutzverfahren): r_x = h × (1 − h_x/h) × k, wobei h die Stangenhöhe, h_x die Höhe des Schutzobjekts ist; konservativ: für 45°-Winkel verdoppelt sich der Radius mit der Höhe.
Rollkugelradius: r = 20 m (Klasse I), 30 m (II), 45 m (III), 60 m (IV).
Anzahl der Fangstangen für ein Rechteck: Die Diagonalen des Gebäudes müssen innerhalb des Schutzbereichs liegen: n ≥ √((B/r_x)² + (L/r_x)²) gerundet auf.
Isolationsabstand: s = ki × kc/km × l, mit ki = 0,08 (Klasse I) … 0,04 (III/IV), kc = 1 für eine Ableitung, km = 1 für Luft, 0,5 für Beton.
Blitzschutzklassen und Rollkugelradien
| Klasse | Rollkugelradius | Maschenweite Fangnetz | Beispielgebäude |
|---|---|---|---|
| I | 20 m | 5×5 m | Explosionsgefährdete Anlagen, Krankenhäuser |
| II | 30 m | 10×10 m | Wohnhäuser mit erhöhtem Risiko, Schulen |
| III | 45 m | 15×15 m | Gewöhnliche Wohnhäuser, Büros |
| IV | 60 m | 20×20 m | Niedrige Gebäude mit geringem Risiko |
Normative Grundlagen
Die Blitzschutzplanung regeln DIN EN 62305-1…-4 (Blitzschutz: Risiko, Anlagen, Schäden) und die DIN EN 62305-3 (Blitzschutzsysteme). Kernanforderungen:
— Risikoanalyse nach Teil 2 legt die Blitzschutzklasse fest; für Wohngebäude ist die Klasse III üblich, für Gebäude mit erhöhtem Risiko II;
— Die Fangeinrichtung wird nach dem Schutz-, dem Rollkugel- oder dem Maschenverfahren ausgelegt;
— Ableitungen: mindestens 2 für Gebäude bis 20 m Höhe, weitere alle 20 m Umfang; Querschnitt Kupfer min. 50 mm², Stahl verzinkt 80 mm²;
— Die Erdungsanlage für Blitzschutz: R ≤ 10 Ω, verbunden mit der übrigen Erdung des Gebäudes (Fundamenterder);
— Prüfung: Sichtprüfung und Messung nach DIN EN 62305-3 (Intervall je Klasse).
So nutzen Sie den Rechner
- Wählen Sie die Blitzschutzklasse (I–IV) oder lassen Sie die Empfehlung für den Gebäudetyp anwenden.
- Geben Sie die Gebäudeabmessungen (Länge, Breite, Höhe) ein.
- Wählen Sie den Typ der Fangeinrichtung (Fangstange oder Fangnetz).
- Für die Fangstange: Höhe der Stange angeben.
- „Berechnen“ drücken — Schutzbereich, Rollkugelradius, Anzahl der Fangstangen, Isolationsabstand.
Häufige Fehler
- Schutzklasse pauschal wählen — ohne Risikoanalyse ist die Anlage über- oder unterdimensioniert.
- Fangstange zu niedrig — der Schutzbereich deckt das Dach nicht vollständig, die Kugel berührt das Gebäude.
- Isolationsabstand ignorieren — Überschlag vom Ableiter auf Inneninstallation bei Blitzeinschlag.
- Nur eine Ableitung bei großem Gebäude — zu hoher Strom je Ableiter, Seitenblitze.
- Blitzschutz ohne Erdung der Anlage — der Blitz findet keinen kontrollierten Weg.
Blitzschutz — häufig gestellte Fragen
Braucht ein Einfamilienhaus Blitzschutz?
Pflicht ist er nicht, aber DIN EN 62305 empfiehlt eine Risikoanalyse. In exponierter Lage (Hügel, freistehend, Höhe über Umgebung) ist ein äußerer Blitzschutz der Klasse III sinnvoll — Kosten ab etwa 2.000–4.000 € für ein Standardhaus.
Was ist das Rollkugelverfahren?
Die vereinfachte Modellierung der Einschlagstelle: Eine Kugel mit dem Radius der Blitzschutzklasse rollt über das Gebäude. Berührbare Flächen liegen außerhalb des Schutzbereichs und brauchen Fangeinrichtungen. Es ist das Standardverfahren der DIN EN 62305-3 für komplexe Dachformen.
Kann ich den Blitzschutz selbst planen?
Die Risikoanalyse und die Auslegung übernimmt üblicherweise ein Blitzschutzfachbetrieb. Mit diesem Rechner können Sie den Schutzbereich und die Fangstangenanzahl selbst überschlagen — die Ausführung und Prüfung gehört in fachliche Hände.
Was ist der Isolationsabstand s?
Der Trennungsabstand zwischen der Blitzschutzanlage und leitfähigen Teilen im Gebäude (Dachrinnen, Rohre, Installationen). Er verhindert Überschläge beim Blitzeinschlag und wird nach DIN EN 62305-3 berechnet; je höher die Gebäudehöhe und je mehr Ableitungen, desto größer der Abstand.
Wie oft muss der Blitzschutz geprüft werden?
Nach DIN EN 62305-3: Sichtprüfung jährlich (Klasse I/II) bzw. alle 2 Jahre (III/IV), volle Prüfung mit Widerstandsmessung alle 2 Jahre (I/II) bzw. 4 Jahre (III/IV). Nach Umbauten und Blitzeinschlägen sofort.